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Christian Holzer

Work-Life-Balance Karriere- und Unternehmensberatung

Work-Life-Balance Unternehmensberater und Karrierecoach, PR-Experte und Employer Branding, Buchautor, Kooperationspartner des Career-Centers der Universität Salzburg

 

Christian Holzer trifft Mike John: Barrieren existieren nicht, wenn man die Dinge einfach tut…

… sagt Mike John Eigentümer der LOOP Media GmbH in Salzburg, Niederlassungen in New York, Sidney, Berlin und Kopenhagen. 20 Uhr Interviewtermin, weil es gerade so passte für uns beide. Aber viel arbeiten heißt auch, am See liegen, wenn es passt und das Leben genießen. Lässigkeit und Leistungsbereitschaft sind Merkmale der New Work. Hier das Radiofabrik-Fair-Play-Interviews von 2016 mit mir.

Öffnet man die LOOP Homepage sieht man den Slogan: Wonderful Digital Things And A Pinch Of Rock N‘ Roll? Eine Unternehmensführung ganz anderer Art?

Wir sind als Unternehmen unkonventionell, weil ich als Gründer und die Leute, die mit mir das Unternehmen führen, alle keinen Managementbackground haben und erlernten Mustern folgen. Wir haben Arbeitsplätze nach der Idee geschaffen: Würden wir in unserem Unternehmen Mitarbeiter sein, würden wir selbst genau so arbeiten wollen. Wir sind eine Agentur bei der viele kreative Köpfe arbeiten. Das Muster 9 – 17 Uhr Dienstzeit greift bei uns nicht. Wir haben Mitarbeiter, die mit großen internationalen Kunden zusammenarbeiten, die wollen, dass etwas passiert, denen muss man die richtigen Arbeitsplätze geben.

Wie rekrutierst Du Deine Leute?

50% Skills, 50% Persönlichkeit. Jemand der für uns arbeitet muss hereinpassen. Wir suchen oft jüngere Leute mit wenigen Erfahrungen. Die technischen Rahmenbedingungen ändern sich derart rasant, somit zählt bei uns Motivation und das permanente Aufbereiten neuer Voraussetzungen. Erlernte Muster müsste man dabei eher wieder verlernen. Es braucht einen Typus von Personen, die schnell adaptieren, schnell Trends erkennen.

Mike John. Firmenchef.

Leidenschaft als Grundqualifikation aller Mitarbeiter?

Menschen sind sehr unterschiedlich. Die einen sind Tag und Nacht mit ihren Gedanken beim Projekt und tun alles, um auch das nächste Projekt durch die Decke gehen zu lassen. Andere machen auch einen super Job, denken aber in ihrer Freizeit nur wenig an das Unternehmen. Unser Büro ist ein Ort der Begegnung, der vordere Bereich ist eigentlich ein Kaffeehaus. Wir haben das Interesse, möglichst viele verschiedene individuelle Zugänge zur Arbeit ausleben zu lassen. Unsere internationalen Niederlassungen erleben wir als große Bereicherung: Wir sind nahe am Kunden, Mitarbeiter gehen gern einmal für bestimmte Zeit ins Ausland und so wird der Zusammenhalt zwischen Salzburg und unseren Auslandsbüros vertieft. Wir haben 30% Developer, die sitzen viel hinter dem Computer, 20% sind Designer und hoch kreativ. Ein großer Teil unserer Mitarbeiter ist für die Kundenkommunikation zuständig. Dabei achten wir sehr auf persönliches Kennen und ausreichend Zeit, die wir vor Ort beim Kunden miteinander verbringen.

Wie laufen bei Euch Bewerbungsgespräche ab?

Wir Fragen nicht nach den Top 5 Stärken und Top 5 Schwächen. Jede clevere Person da draußen genau weiß, was ein Unternehmen auf diese Fragen hören will. Wir wollen unsere Mitarbeiter kennenlernen und wollen, dass sie zu uns passen. Wir wollen eine gute Zeit während des Gesprächs miteinander haben und wenn wir das Gefühl haben, dass es passt, dann freuen wir uns, wenn jemand bei uns bleibt. Wir wollen ehrliche Leute, die mit sich selbst im Klaren sind. Sei Du selbst, verstelle Dich nicht, Du musst bei uns keinen Normen entsprechen: Du kannst tätowiert sein, kannst rosarote Haare haben und Du darfst auch einen Anzug tragen. Wir scheuen uns nicht internationales Personal zu rekrutieren. 99% der österreichischen Unternehmen sortieren einen Bewerber aus Südafrika aus. Wir lassen die guten Leute herfliegen, arbeiten drei Tage mit ihnen. Wenn es passt, stellen wir sie ein. Barrieren existieren dann nicht, wenn man Dinge einfach tut.

Sind die Mitarbeiter manchmal gar nicht zu bremsen?

Das gibt es auch. Wir haben Teams und Unterteams und in dieser Struktur werden Arbeitsmengen festgestellt und verteilt. Wir haben beispielsweise im Jahr 2015 40 Leute eingestellt, um genau diese vernünftige Arbeitsmenge für den einzelnen Mitarbeiter zu bekommen. Es gibt bei uns die Eigenverantwortungsmaxime, soweit laufen zu können, wie man will. Wenn man Hilfe braucht, meldet man sich. Hilfe wird dann bereitgestellt. Wenn man mehr Arbeit braucht, bekommt man sie.

Wenig Kontrolle, viel Coolness und trotzdem hoher wirtschaftlicher Erfolg?

Dienstleistungen sind zwar zeitabhängig. Stell Dir andrerseits einen Maler vor, der 10 Stunden Zeit hat, ein Bild fertig zu stellen. Womöglich kann der Maler es in zwei Stunden in einem sensationellen Ergebnis fertigstellen, braucht aber zuvor 8 Stunden um auf der Couch zu liegen und in die Luft zu starren und sich das Bild zu überlegen. Diese Überlegungen leiten uns an.  Das spürt man, wenn man bei uns zur Tür hereinkommt. Das gefällt nicht nur unabhängigen, abenteuerlustigen, jungen Leuten. Wir haben viele Mitarbeiter mit Familien. Auch sie schätzen unsere Philosophie.

Sunny Hours?

Als wir die ersten Angestellten im Jahr 2006 hatten, waren wir sehr erbaut, wie sich die Leute ins Zeug gelegt haben. Damals haben wir als Kompensation die „Sunny Hours“ eingeführt und diese bis heute beibehalten. Im Sommer schenken wir unseren Mitarbeitern zusätzlich eine Urlaubswoche. Über 10 Wochen hinweg, kann sich jeder Mitarbeiter pro Woche einen halben Tag frei nehmen und an den See fahren oder bei Schlechtwetter einfach einmal länger schlafen. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter trotz vieler Arbeit, etwas vom Sommer haben.

„ Fair Play“ ist ein monatliches Radioformat der Radiofabrik Salzburg über verantwortungsvolles Wirtschaften im Bundesland Salzburg, moderiert vom Work-Life-Balance-Experten Christian Holzer. Das Interview ist eine Kooperation von „SW“ und Radiofabrik.

 

 

 

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