Viel Hausgemachtes gibt es bei Meissl und eine bestechende Unternehmenskultur. Hergestellt werden im modernen Werk Großschirme, Schirmbars und Windschutzlösungen, zum Teil in Sonderanfertigung. Ich wurde herzlich empfangen in Pfarrwerfen von der Firmenchefin Hermine Meissl, die viel von Coaching und Intuition hält. Mit viel Gespür und emotionaler Intelligenz führt sie etwa 50 Mitarbeiter*innen und versteht es, den Betrieb mit 50% Exportquote am Weltmarkt erfolgreich zu positionieren.

Wie ist dieses technisch ausgereifte
und vielfältige Unternehmen entstanden?

Mein Vater
hat das Unternehmen 1976 gegründet. Sein Name steht für Qualität und
Stabilität. In dieser Tradition arbeiten wir auch heute. Ein großer Vorteil
ist, vieles unter einem Dach zu haben. Wir müssen sehr viel – gemeinsam mit dem
Kunden – tüfteln, planen und entwickeln. Der Nutzen des Kunden stellt unsere
Innovationen dar. Die Vereinigung mehrerer Sparten unter einem Dach ermöglicht
uns rasches Ausprobieren und hochwertige Qualitätsentwicklung. Wir exportieren
unsere Produkte bis nach Japan, oft an die höchste Bergspitze hinauf. Da müssen
die Lösungen vor Ort perfekt funktionieren.

Viele Abteilungen arbeiten bei Euch
Hand in Hand?

Wir haben
Schlosser, Tischler, Näherinnen, Techniker, Montage, Verkauf, Marketing,
Office. Das Ineinandergreifen ist eine große Herausforderung. Wir haben uns
gefragt: Wer sind wir überhaupt? Was macht uns einzigartig? Wir arbeiten seit
2011 mit Coaching und Teambuilding. Wir konnten diese Organisationsentwicklung
nachhaltig etablieren. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die über die
Reflexionsarbeit eine Veränderung an sich feststellen und das auch mögen. Ich
bin sehr stolz auf alle.

Wie bist Du auf die Idee gekommen,
Coaching in die Unternehmensstrategie einzuführen?

Wenn man
sich versteht, wenn man sich in den anderen hineinversetzt, funktionieren die
Nahtstellen besser. Wenn die Chemie passt, ist der Output für das Produkt
verbessert. Ich habe selbst eine Coachingausbildung gemacht, das hat meinen
Zugang zu diesem Thema geöffnet. Empathische Komponenten kommen mit technischen
Fragestellungen auf Augenhöhe. Das war anfangs ganz neu, jetzt sind wir es
gewohnt. Der Trend geht heute hin zum häufigeren Jobwechsel. Ich glaube, dass
Menschen nach Stabilität und Wohlfühlen streben. Gemeinschaft fördert das
Wohlfühlen am Arbeitsplatz. Auch die Sache soll nicht verlorengehen. Die
Symbiose daraus macht es aus. Ich selbst mag diese Verwurzelung bei uns. Ich
mag meine Mitarbeiter. Ich mag, wenn jemand bei meiner Türe hereinschaut.

Spricht sich das herum: Bei Meissl
arbeiten immer gut, immer herzlich?

Ja, wir merken das, obwohl wir uns nicht gerne selbst beweihräuchern. Es freut uns, dass wir Bewerbungen auch von außerhalb unserer Region erhalten. Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen bewegen. Ich selbst gehe sehr gerne in die Produktion, ich mag den Geruch dort. Ich genieße die unterschiedlichen Hallen. Jede hat eine eigene Energie. Meine Buchhalterin holt sich ihren Kaffee zum Beispiel in der Produktion. Das fördert den Austausch, dabei wird viel Fachliches besprochen, man kennt sich. Wir haben Mitarbeiter, die in der Schlosserei gelernt haben und jetzt im Vertrieb und in der Technik tätig sind. Umfassendes Gesamtbetriebswissen kommt beim Kunden gut an.

Führst Du spezielle Führungsstrategien darauf zurück, dass Du als Frau die Geschäfte leitest?

Ich glaube,
dass Frauen anders führen. Ich bin seit 1989 im Unternehmen, seit 1992 in der
Geschäftsführung. Seit 2011 führe ich das Unternehmen alleine als Eigentümerin
und Geschäftsführerin. Im letzten Jahr haben wir Verstärkung durch einen
zusätzlichen technischen Geschäftsführer erhalten. Ich hatte andere Maßstäbe
wie mein Vater. Ich komme aus dem kaufmännischen Bereich, er war Techniker. Ich
habe das Selbstvertrauen entwickeln müssen, dass ich auch mit meiner Art Erfolge
erzielen kann. Früher hat jeder Vorgaben bekommen, ich setze intensiv auf
Eigenverantwortung. Früher war der Betrieb kleiner, mit steigender
Mitarbeiterzahl habe ich meine Mitarbeiter mehr in die Verantwortung geholt. Zu
unserem Standard gehören nun schon seit einigen Jahren ein Organigramm, ein
Leitbild und unsere Rollenbeschreibungen zur besseren Orientierung. Auch die
nächste Generation in der Firmenleitung habe ich schon im Blick. Auch das
braucht Zeit und Gespür.

Ihr legt einen Schwerpunkt auf
Forschung?

Nachdem mein
Vater in Pension gegangen ist habe ich die Entwicklung weitgehend aus dem
Alltagsgeschäft auszulagern versucht. 2013 wurde  die Meissl Forschungs- und Entwicklungs GmbH
gegründet. Ein Netzwerk aus Anwendern, Produktionsmitarbeitern, Designern,
Technikern und Projektbezogen auch mit der Fachhochschule Urstein ist
entstanden.  Neue Testfelder entstehen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der
Lehrlingsausbildung?

Für uns ist das die Basis im Recruiting. Für junge Menschen ist das Digitale attraktiv. Wir haben auch wesentlich mehr Bewerbungen für technische Zeichner, als für Metalltechniker. Wir können in unserem Betrieb auf unsere speziellen Bedürfnisse in drei Lehrberufen ausbilden: Technischer Zeichner, Metalltechniker und  Mechatroniker ausbilden. Es ist wunderbar zu sehen, wie einige Nachwuchshoffnungen sich entwickeln und wie die jungen Menschen auch lernen und unsere Produkte zum Beispiel in Frankreich oder der Schweiz zu montieren.

„WorkVision“ ist eine Serie der „SW“ über zukunftsträchtige Ansätze rund um modernes Arbeiten im Bundesland Salzburg. Die Reihe wird von Christian Holzer, Work-Life-Balance-Experte in Unternehmens- und Karrierefragen, gestaltet. Die Interviewpartner werden in der Radiofabrikreihe „Fair-Play“ vor das Mikrofon geholt (www.radiofabrik.at).

Das WorkVision BarCamp am Techno-z Salzburg ist Lernraum für Selbstwirksamkeit, Lebensfreude und Gestaltung für inspirierte Menschen aus Unternehmen.